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Der Bayerische
Philologenverband (bpv) hat Forderungen des Grund- und
Hauptschullehrerverbandes BLLV nach der Abschaffung des
vielgliedrigen Schulwesens, der Abschaffung von Noten und der
Abschaffung des Sitzenbleibens zurückgewiesen. Der
bpv-Vorsitzende Max Schmidt sagte dazu am Donnerstag in München:
„Das ist Humbug. Solche Forderungen laufen in letzter Konsequenz
auf eine Gesamtschule hinaus, in der alle Schüler das
Abiturzeugnis erhalten. Genauso gut könnte man dann dazu
übergehen, Abitur und allgemeine Hochschulreife bereits gleich
auf der Geburtsurkunde zu bescheinigen.“
Angaben über Zahl der
Klassenwiederholer derzeit seriöserweise noch nicht möglich
Schmidt kritisierte, dass der
BLLV auch heuer wieder mit vermuteten Zahlen Stimmung gegen das
gegliederte Schulsystem zu machen versuche: „Seriöse Angaben
über die Zahl der Klassenwiederholer sind derzeit nicht möglich.
Aber darum scheint es auch nicht zu gehen. Ich habe eher den
Eindruck, dass dem BLLV die mediale Empörungswelle nach seiner
letztjährigen Schätzung von 35.000 Sitzenbleibern nicht hoch
genug geschlagen ist. Nun versucht man es mit einem deutlichen
Aufschlag und wirft die Zahl 50.000 auf den Markt.“ Im Bereich
der Gymnasien, so Schmidt, sei keine Steigerung der
Wiederholerzahlen feststellbar. Hier sinkt seit Jahren die
Quote.
bpv-Rat an SPD: Abnabelung
vom BLLV und schulpolitisch auf eigenen Füßen stehen
Deutliche Kritik übte Schmidt
auch an der Bildungspolitik der bayerischen SPD: „Anstatt
durchdachte eigene Ideen zu präsentieren, betet die SPD fast
schon reflexartig immer wieder aktuelle Positionen und
Forderungen des Lehrer- und Lehrerinnenverbandes nach – Ist der
BLLV etwa der bildungspolitische „Think Tank“ der bayerischen
SPD? Ich persönlich kann der SPD nur raten, sich intellektuell
vom BLLV abzunabeln und auf eigenen Füßen zu stehen, wenn sie
schulpolitisch punkten will.“
Wiederholung einer Klasse
kann auch neue Chance sein
Aus diesen Zahlen und aus
volkswirtschaftlichen Gründen die Abschaffung des Sitzenbleibens
abzuleiten, hält der bpv für falsch. „Wer das fordert, denkt zu
kurz“, urteilte Schmidt. Die Konsequenz dieser Argumentation
bedeute nämlich, auch Schülern ohne entsprechende Qualifikation
das Abitur zu verleihen. „Der daraus entstehende
volkswirtschaftliche Schaden dürfte um einiges größer sein als
das Sitzenbleiben“, gab der Verbandsvorsitzende zu bedenken. Ein
Verbleiben in der überfordernden Klassenstufe würde sich
außerdem demotivierend und entwicklungs-hemmend auf die Schüler
auswirken. Ein klug genutztes Wiederholungsjahr dagegen biete
eine „echte Chance“, die Schullaufbahn erfolgreich zu beenden.
Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung
(RWI) kommt in einer Studie an 2500 Schülern sogar zu dem
Ergebnis, dass 50 Prozent der Sitzenbleiber einen besseren
Abschluss erreichen als vergleichbare Nicht-Sitzenbleiber.
Sitzenbleiben von Schülern,
Eltern und Lehren befürwortet
Auch die Schüler selbst
widersprechen der Forderung des BLLV. So hat eine Umfrage des
bpv unter 1000 Gymnasiasten im Jahr 2002 ergeben, dass rund 76
Prozent das Wiederholungsjahr als sinnvoll ansehen und nicht
abschaffen wollen. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine
repräsentative Lehrerumfrage der GEW und des Dortmunder
Instituts für Schulentwicklungsforschung aus dem Jahr 2006 (62
Prozent). Einer repräsentativen Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2002
zufolge wird die Ehrenrunde auch von 79 Prozent der Bevölkerung
befürwortet.
... und Noten zuverlässiger
Indikator für Leistungen
Auch die Vergabe von Noten,
die der BLLV als demotivierend ablehnt, möchte der bpv laut
Schmidt beibehalten. „Bayerische Notenbögen erfassen das
Fachwissen, motivationale Faktoren wie Mitarbeit sowie soziale
Komponenten wie Verhalten. Sie sind ein zuverlässiges Instrument
der Leistungsmessung.“ Erziehungswissenschaftler bestätigen die
Erfahrung von Lehrkräften und vieler Eltern, dass Noten immer
noch das probateste Mittel sind, den Leistungserfolg in der
Schule zu bewerten. |