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In einem dringenden gemeinsamen
Appell an die Bayerische Staatsregierung warnen der Vorsitzende
des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt und die
Vorsitzende der Bayerischen Direktorenvereinigung Barbara Loos vor
weiteren Einschnitten in die Stundentafeln und Lehrpläne des
achtjährigen Gymnasiums. „Im achtjährigen Gymnasium ist keine Luft
mehr für weitere Kürzungen. Die Reduzierung von Fach- und
Intensivierungsstunden lehnen wir entschieden ab; gleichgültig, ob
Fachstunden komplett gestrichen oder verpflichtend durch
Intensivierungsstunden ersetzt werden sollen. Stunden- wie
grundlegende Lehrplankürzungen vermindern nur die Qualität des
schulischen Bildungsangebotes und erhöhen die Belastung von
Schülern, anstatt sie zu verringern. Nur ein umfangreiches
Unterrichtsangebot bietet angemessene Zeit zum Lernen“, betonten
die beiden Vorsitzenden Loos und Schmidt.
Übereinstimmend
nennen der Bayerische Philologenverband und die Bayerische
Direktorenvereinigung drei Gründe gegen eine weitere Verkürzung
von Stundentafeln und Lehrplänen:
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Je weniger Stunden
für das Lernen in der Schule zur Verfügung stehen, umso größer
wird der Druck auf Schüler zur privaten Nacharbeit. Weder die
Hochschulen noch der internationale Wettbewerb würden in ihrem
Anforderungen auf die Lücken der bayerischen Schüler Rücksicht
nehmen. Privat zu finanzierende Vorbereitungskurse (wie etwa in
Frankreich) würden den mit der Schulzeitverkürzung intendierten
Zeitgewinn aufzehren.
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Am meisten
benachteiligt durch Stundenkürzungen würden ausgerechnet
diejenigen Schüler, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft und
fehlender häuslicher Unterstützung ganz besonders auf ein gutes
schulisches Unterrichtsangebot angewiesen seien. Denn ein
Weniger an Stunden bedeutet immer ein Weniger an individueller
Förderung.
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Seit der
G8-Einführung bietet Bayern seinen Schülern in der Mittelstufe
nur noch jeweils drei Fachstunden in den Kernfächern Deutsch,
Mathematik und der ersten Fremdsprache pro Woche. Mit dieser
Stundenausstattung ist der Freistaat im deutschlandweiten
G8-Vergleich bereits jetzt das Schlusslicht; im internationalen
Vergleich haben fast ausnahmslos alle bei PISA vor Deutschland
platzierten Staaten eine deutlich bessere Stundenausstattung als
Deutschland. Entgegen allen gegenteiligen Behauptungen besteht
sehr wohl ein klarer Zusammenhang zwischen der Anzahl der
gewährten Fachstunden und dem Lernerfolg der Schüler. Wer
Stundentafeln und Lehrpläne kürzt, kürzt daher immer auch
Bildungs- und Lebenschancen junger Menschen. Und er gefährdet
mittelfristig die nationale wie internationale
Konkurrenzfähigkeit Bayerns.
Allenfalls weitere begrenzte Flexibilisierung bei
Intensivierungsstunden vorstellbar
Als Reaktion auf die
überhitzte öffentliche Debatte um das achtjährige Gymnasium sei
nach den Worten der Vorsitzenden Loos und Schmidt allenfalls eine
weitere begrenzte Flexibilisierung beim Einsatz von
Intensivierungsstunden vorstellbar, die aber keinesfalls auf
Kosten der Gesamtsstundenbilanz gehen dürfe: Auch wenn dies
zusätzliche organisatorische Probleme mit sich bringt, kann
möglicherweise den Schulen erlaubt werden, einen weiteren Teil der
Intensivierungsstunden in eigener Verantwortung zu verwenden.
Wesentlich ist, dass die Intensivierungsstunden ungeschmälert zur
Förderung der Schüler eingesetzt werden können. Dazu gehört, dass
auch künftig für jede Intensivierungsstunde zwei Lehrerstunden
zugewiesen werden.
Zur sinnvollen
Ausgestaltung gerade der in die Verantwortung der Schulen
gegebenen Intensivierungsstunden wie auch des nach wie vor
notwendigen Nachmittagsangebotes benötigen die Schulen dringend
weitere finanzielle Spielräume. Nach Schätzungen von
Philologenverband und Direktorenvereinigung ist dafür kurzfristig
ein Betrag von rund 5 Millionen Euro allein für die rund 300
staatlichen Gymnasien zu veranschlagen.
„Das ist die
absolute Schmerzgrenze. Weniger ist mit uns nicht zu machen“,
betonte bpv-Chef Schmidt, während Loos abschließend forderte:
„Alle Maßnahmen müssen darauf ausgerichtet sein, für unsere
Schüler die Qualität des bayerischen Gymnasiums zu erhalten und
sicherzustellen, dass die bundesweit vereinbarten Standards
erreicht werden können. Daher sind spürbare Verbesserungen in den
Rahmenbedingungen das einzig taugliche Mittel, das Gymnasium
wieder zu stärken. Seine Leistungsfähigkeit darf nicht einer
falsch verstandenen „Entlastung“ zum Schaden unserer Schülerinnen
und Schüler geopfert werden. Die Mehrheit der Schüler und Eltern
weiß den Anspruch des bayerischen Gymnasiums zu schätzen. Deshalb
darf er nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.“ |