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PRESSEMITTEILUNGEN

 
Pressemitteilung vom 31.03.2008
 

Gemeinsame Presseerklärung der Bayerischen Direktorenvereinigung und des Bayerischen Philologenverbandes

Stundenkürzungen am Gymnasium schaden den Schülern und dem Land

 

In einem dringenden gemeinsamen Appell an die Bayerische Staatsregierung warnen der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt und die Vorsitzende der Bayerischen Direktorenvereinigung Barbara Loos vor weiteren Einschnitten in die  Stundentafeln und Lehrpläne des achtjährigen Gymnasiums. „Im achtjährigen Gymnasium ist keine Luft mehr für weitere Kürzungen. Die Reduzierung von Fach- und Intensivierungsstunden lehnen wir entschieden ab; gleichgültig, ob Fachstunden komplett gestrichen oder verpflichtend durch Intensivierungsstunden ersetzt werden sollen. Stunden- wie grundlegende Lehrplankürzungen vermindern nur die Qualität des schulischen Bildungsangebotes und erhöhen die Belastung von Schülern, anstatt sie zu verringern. Nur ein umfangreiches Unterrichtsangebot bietet angemessene Zeit zum Lernen“, betonten die beiden Vorsitzenden Loos und Schmidt.

Übereinstimmend nennen der Bayerische Philologenverband und die Bayerische Direktorenvereinigung drei Gründe gegen eine weitere Verkürzung von Stundentafeln und Lehrplänen:

  • Je weniger Stunden für das Lernen in der Schule zur Verfügung stehen, umso größer wird der Druck auf Schüler zur privaten Nacharbeit. Weder die Hochschulen noch der internationale Wettbewerb würden in ihrem Anforderungen auf die Lücken der bayerischen Schüler Rücksicht nehmen. Privat zu finanzierende Vorbereitungskurse (wie etwa in Frankreich) würden den mit der Schulzeitverkürzung intendierten Zeitgewinn aufzehren.

  • Am meisten benachteiligt durch Stundenkürzungen würden ausgerechnet diejenigen Schüler, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft und fehlender häuslicher Unterstützung ganz besonders auf ein gutes schulisches Unterrichtsangebot angewiesen seien. Denn ein Weniger an Stunden bedeutet immer ein Weniger an individueller Förderung.

  • Seit der G8-Einführung bietet Bayern seinen Schülern in der Mittelstufe nur noch jeweils drei Fachstunden in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache pro Woche. Mit dieser Stundenausstattung ist der Freistaat im deutschlandweiten G8-Vergleich bereits jetzt das Schlusslicht; im internationalen Vergleich haben fast ausnahmslos alle bei PISA vor Deutschland platzierten Staaten eine deutlich bessere Stundenausstattung als Deutschland. Entgegen allen gegenteiligen Behauptungen besteht sehr wohl ein klarer Zusammenhang zwischen der Anzahl der gewährten Fachstunden und dem Lernerfolg der Schüler. Wer Stundentafeln und Lehrpläne kürzt, kürzt daher immer auch Bildungs- und Lebenschancen junger Menschen. Und er gefährdet mittelfristig die nationale wie internationale Konkurrenzfähigkeit Bayerns.

Allenfalls weitere begrenzte Flexibilisierung bei Intensivierungsstunden vorstellbar

Als Reaktion auf die überhitzte öffentliche Debatte um das achtjährige Gymnasium sei nach den Worten der Vorsitzenden Loos und Schmidt allenfalls eine weitere begrenzte Flexibilisierung beim Einsatz von Intensivierungsstunden vorstellbar, die aber keinesfalls auf Kosten der Gesamtsstundenbilanz gehen dürfe: Auch wenn dies zusätzliche organisatorische Probleme mit sich bringt, kann möglicherweise den Schulen erlaubt werden, einen weiteren Teil der Intensivierungsstunden in eigener Verantwortung zu verwenden. Wesentlich ist, dass die Intensivierungsstunden ungeschmälert zur Förderung der Schüler eingesetzt werden können. Dazu gehört, dass auch künftig für jede Intensivierungsstunde zwei Lehrerstunden zugewiesen werden.

Zur sinnvollen Ausgestaltung gerade der in die Verantwortung der Schulen gegebenen Intensivierungsstunden wie auch des nach wie vor notwendigen Nachmittagsangebotes benötigen die Schulen dringend weitere finanzielle Spielräume. Nach Schätzungen von Philologenverband und Direktorenvereinigung ist dafür kurzfristig ein Betrag von rund 5 Millionen Euro allein für die rund 300 staatlichen Gymnasien zu veranschlagen.

 „Das ist die absolute Schmerzgrenze. Weniger ist mit uns nicht zu machen“, betonte bpv-Chef Schmidt, während Loos abschließend forderte: „Alle Maßnahmen müssen darauf ausgerichtet sein, für unsere Schüler die Qualität des bayerischen Gymnasiums zu erhalten und sicherzustellen, dass die bundesweit vereinbarten Standards erreicht werden können. Daher sind spürbare Verbesserungen in den Rahmenbedingungen das einzig taugliche Mittel, das Gymnasium wieder zu stärken. Seine  Leistungsfähigkeit darf nicht einer falsch verstandenen „Entlastung“ zum Schaden unserer Schülerinnen und Schüler geopfert werden. Die Mehrheit der Schüler und Eltern weiß den Anspruch des bayerischen Gymnasiums zu schätzen. Deshalb darf er nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.“


Für den Inhalt verantwortlich: Peter Missy, Pressesprecher des bpv, E-Mail: Pressestelle des bpv  |  Adresse

 
 
   
   
   
   
   
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