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Für elterliche
Gelassenheit mit dem Übertrittszeugnis und gegen dessen
Stilisierung zu einer angeblich lebensentscheidenden
Schicksalsfrage hat sich der Vorsitzende des Bayerischen
Philologenverbandes (bpv) Max Schmidt ausgesprochen: „Die
Hysterisierung, die seit einigen Jahren im Zusammenhang mit der
Ausstellung der Grundschulempfehlungen betrieben wird, ist nicht
gerechtfertigt.“ Die in letzter Zeit intensivierten Versuche, im
Zusammenhang mit dem Übertritt Ängste bei Kindern und Eltern zu
wecken und zu
schüren, seien
unverantwortlich und gingen auch am Empfinden der ganz großen
Mehrheit der Kinder vorbei. „Entgegen den bisherigen Vermutungen
zeigen die Ergebnisse, dass beim weitaus größten Teil der Schüler
am Ende der vierten Klasse die Vorfreude deutlich höher ausfällt
als die Besorgnis – lediglich 7,7 Prozent aller Schüler machen
sich in dieser Phase Sorgen um den Wechsel“, bilanziert das
Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung etwa seine
aktuelle Untersuchung unter 1000 Viertklässlern.
Plädoyer für engere Kooperation der Schularten beim Übertritt –
Urteil der Grundschullehrkräfte verlässlich
Um
Informationsdefizite und damit einhergehende Unsicherheiten und
Befürchtungen bei Schülern abzubauen, sprechen sich die Dortmunder
Forscher für eine stärkere Zusammenarbeit von Lehrkräften der
Grund- und weiterführenden Schulen aus. Lehrern fehle noch häufig
„das Wissen über Arbeitsweisen, Zielsetzungen und Einstellungen
der Lehrer der jeweils anderen Schulstufe“, monieren die
Wissenschaftler.
„Die Anregung zur
systematischen Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und den
weiterführenden Schularten sollte ernst genommen werden“, forderte
der bpv-Vorsitzende Schmidt. Zielperspektive für den von
Kultusminister Schneider verfügten Einsatz von rund 150
Grundschullehrkräften an den weiterführenden Schulen müsse daher
in erster Linie sein, bestehende Informationsdefizite zwischen den
Schularten abzubauen, um die begleitende Beratung von Schülern und
Eltern an der Schnittstelle zwischen den Schularten verbessern zu
können. Schmidt forderte überdies, Grundschullehrer wieder am
Probeunterricht der Gymnasien zu beteiligen: „Für uns
Gymnasiallehrer bestätigt sich immer wieder: Auf das Urteil der
Kolleginnen und Kollegen von der Grundschule in den
Übertrittszeugnissen ist in hohem Maße Verlass. Häufig ist es
sogar treffender als das der Eltern. Die Beteiligung der
Grundschullehrkräfte war deshalb auch im Probeunterricht immer
eine wichtige Hilfe bei der Entscheidung über die weitere
Schullaufbahn eines Kindes - und sie bot obendrein eine
willkommene Gelegenheit zum Informationsaustausch zwischen den
Lehrkräften der beiden Schularten.“
Zusätzlich sprach
sich Schmidt dafür aus, den bestehenden Regelübertritt nach der
vierten Grundschulklasse zu ergänzen: „Im Sinne einer
begabungsgerechten Förderung ist der Übertritt nach Klasse vier
für die allermeisten Kinder richtig und wichtig. Für sogenannte
Spätentwickler sollte aber die Möglichkeit stärker ausgebaut
werden, auch noch nach Klasse fünf an eine Realschule oder ein
Gymnasium wechseln zu können.“ |