Mit großer Verwunderung registriert der Bayerische
Philologenverband die derzeit von der bayerischen FDP in den
Koalitionsverhandlungen vertretenen bildungspolitischen
Positionen. „Mit ihren schulpolitischen Forderungen machen sich
die bayerischen Liberalen bislang originär linke Positionen
zueigen“, konstatierte der Vorsitzende des Bayerischen
Philologenverbandes Max Schmidt. Weder die Bundespartei noch die
anderen FDP-Landesverbände hätten sich eine sechsjährige
Grundschulzeit und die Zusammenlegung von Schularten auf die
Fahnen geschrieben. Außerhalb der bayerischen FDP scheint man
sich bei den Liberalen auch bewusst zu sein, dass diese
Forderungen mit dem von den Liberalen immer besonders stark
betonten Leistungsprinzip kaum vereinbar sind: Hat doch erst in
diesem Jahr eine große Studie der Humboldt-Universität Berlin
wieder bestätigt, dass Schüler sechsjähriger Grundschulen
Leistungsdefizite von bis zu zwei Jahren gegenüber ihren
bereits nach der vierten Klasse an weiterführende Schulen
übergetretenen Kameraden aufbauen. Auch für den Ausgleich
sozialer Disparitäten erweise sich der Übertritt nach der
vierten Grundschulklasse als günstiger.
Umfrage: FDP- Anhänger eindeutig gegen Grundschulverlängerung
Auf Reformen
innerhalb des gegliederten Schulsystems statt auf
Strukturveränderungen setzt auch der Löwenanteil der Klientel
der Liberalen: In einer FORSA-Umfrage hatten sich FDP-Anhänger
am weitaus häufigsten gegen eine Verlängerung der Grundschulzeit
ausgesprochen (83 Prozent) und am häufigsten die Unterstützung
der Hauptschule durch die Politik eingefordert (85 Prozent).
bpv
gegen Auferstehung einer Aufbau- oder Orientierungsstufe
Nichts abgewinnen
kann Schmidt auch dem Alternativmodell, einen zweiten großen
Übertrittszeitpunkt nach der sechsten Klasse zu installieren:
„Das wäre nichts anderes als die faktische Rückkehr der
Orientierungsstufe, von der sich Bayern und andere Bundesländer
aufgrund schlechter Erfahrungen wieder verabschiedet haben.“
Denn um möglichst vielen Schülern eine realistische Chance auf
einen Übertritt noch nach der sechsten Klasse an das Gymnasium
und die Realschule geben zu können, müssten deren Lehrpläne an
den der Hauptschule angeglichen werden. Das bedeutete aber,
Leistungspotenziale der Schüler an Realschulen und Gymnasien
nicht mehr wie bisher ausschöpfen zu können. „Ich kann mir nicht
vorstellen, dass eine Reform, als deren Folge rund 70 Prozent
der bayerischen Schülerschaft in Klasse 5 und 6 schlechter als
bisher gefördert werden könnten, im Sinne liberaler
Bildungspolitik ist“, sagte Schmidt. |