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Anlässlich der heute auf Initiative Bayerns beginnenden
Verhandlungen der Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg,
Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben die fünf Vorsitzenden
der Philologenverbände dieser Bundesländer Max Schmidt (Bayern),
Karl-Heinz Wurster (Baden-Württemberg), Frank Haubitz (Sachsen),
Dr. Jürgen Mannke (Sachsen-Anhalt) und Ralf-Gerhard Köthe
(Thüringen) die klare Rückbesinnung zu einer leistungs- und
qualitätsorientierten Politik für die Gymnasien gefordert und vor
einem faulen Kompromiss nach dem Prinzip des kleinsten gemeinsamen
Nenners gewarnt. Hinsichtlich des Zieles eines gemeinsamen
„Südabiturs“ äußerten die Vorsitzenden der fünf Landesverbände
deutliche Skepsis. Einheitliche Abituraufgaben seien allenfalls
dann sinnvoll, wenn sichergestellt werden könne, dass sie in jedem
Bundesland nach denselben Maßstäben bewertet werden könnten.
Aktuelle
Beschlüsse zur Absenkung der Stundenzahl am achtjährigen
Gymnasium, wie sie gerade erst von den Bundesländern mit dem
jüngsten KMK-Beschluss offiziell ermöglicht wurden, und die
prompte Umsetzung durch erste Landesregierungen zeigten aber, dass
jede Neuformulierung länderübergreifender Mindestanforderungen in
der Praxis von Landesregierungen nur allzu gern als willkommene
Einladung missbraucht werde, um qualitative und quantitative
Standards am Gymnasium zu senken. Vor diesem Hintergrund falle es
schwer zu glauben, dass nun über eine neue länderübergreifende
Vereinbarung zu gemeinsamen Abituraufgaben das gymnasiale Niveau
gesichert oder gar gesteigert werden könne. Wichtiger sei es
zunächst einmal, sich länderübergreifend auf gemeinsame Standards
für das Gymnasium zu einigen. Gemeinsame Abituraufgaben könnten
allenfalls am Ende eines längeren Prozesses stehen, in dem jedes
Bundesland seine spezifischen Probleme mit der gerade in den
letzten Jahren aus verschiedenen Gründen zurückgehenden Qualität
des gymnasialen Bildungsganges aufgearbeitet hat.
Gymnasium immer häufiger Opfer ökonomischer und ideologischer
Zielsetzungen
Die
Vertreter der Gymnasiallehrerschaft beobachten mit großer Sorge,
dass gleichsam in einem Kniefall vor scheinbar objektiven
ökonomischen und arbeitsmarktpolitischen Notwendigkeiten, aus
vordergründigen wahl- und machtpolitischen Opportunitätsgründen
oder schlichtweg als finanzpolitische Sparmaßnahme in den
vergangenen Jahren die Rahmenbedingungen und das Niveau an den
deutschen Gymnasien zum Schaden der Schülerinnen und Schüler immer
weiter verschlechtert wurden und werden. Als besonders empörendes
Beispiel bezeichneten die Vorsitzenden die derzeitigen
Koalitionsverhandlungen in Hamburg, wo die CDU unter Bruch ihres
Wahlversprechens dabei sei, das Gymnasium auf dem Altar des
Machterhalts zu opfern. Doch Hamburg sei kein Einzelfall, sondern
nur ein besonders augenfälliges Beispiel dafür, dass es die
Politik vielerorts zugelassen und daran mitgewirkt habe, dass die
Schulart Gymnasium Opfer und Spielball wirtschaftlichen und
politischen Opportunitätsdenkens und ideologischer Utopien
geworden sei. In einer unheilvollen Allianz setzten
Wirtschaftsvertreter und Vertreter einer Ideologie des
Gleichmachertums derzeit alles daran, das Gymnasium als
Bildungsanstalt Humboldtscher Prägung zu schleifen, ihren
Zielsetzungen zu unterwerfen oder gleich ganz abzuschaffen.
Die
derzeit überall in Westdeutschland ohne die Bereitstellung der
dafür erforderlichen personellen und materiellen Ressourcen und
ohne wirklich überzeugende Konzepte betriebene Verkürzung des
Gymnasiums, die - teilweise gleichzeitig – forcierte Erhöhung der
Abiturientenquoten und die achselzuckend hingenommene
Personalknappheit nannten die Vorsitzenden der Landesverbände als
weitere Belege dafür, dass für die politisch Verantwortlichen der
Qualitätsaspekt nicht mehr die alles entscheidende Rolle spiele.
Ähnlich vernachlässigt wie die Schulart sieht sich die gymnasiale
Lehrerschaft, die doch eigentlich der Schlüssel zum Erfolg der
Schulart sei: Gehaltskürzungen, Arbeitszeiterhöhungen, die
Überfrachtung mit immer weiteren Aufgaben als Folge politisch
gewünschter größerer Autonomie und Verantwortlichkeit der
einzelnen Schulen, personelle Lücken und übervolle Klassen, aber
auch eine Herabsetzung des fachlichen Niveaus für das
Lehramtsstudium im Gefolge des Bologna-Prozesses und die
Verkürzung des Referendariats zeigten, dass in vielen
Bundesländern Dienstherrn finanzpolitische Einsparmöglichkeiten
über ihre Fürsorgepflicht für ihr Personal und über fachliche und
pädagogische Zielsetzungen zum Wohle der Schülerschaft gingen.
Der
Vorsitzende des Philologenverbandes von Sachsen-Anhalt, Dr. Jürgen
Mannke, hob hervor, dass sein Bundesland mittlerweile versuche,
durch die mittlere Schulentwicklungsplanung und die Senkung der
Klassenfrequenzen zu einer Verbesserung der Situation zu gelangen.
Philologenverbände fordern Rückbesinnung auf traditionelle
Stärken des Gymnasiums
Demgegenüber verlangen die Landesvorsitzenden der
Philologenverbände eine politische Kehrtwende in ganz Deutschland,
der folgende Grundprinzipien und Feststellungen zugrunde liegen
müssen, wenn es den politisch Verantwortlichen tatsächlich darum
gehen sollte, das Niveau und die Qualität des Gymnasiums dauerhaft
zu sichern und zu stärken:
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Das
spezifische Profil und die Stellung des Gymnasiums innerhalb des
gegliederten Schulsystems als eine Schulart für besonders
leistungsfähige und leistungswillige Schüler müssen in der Praxis
wieder stärker berücksichtigt werden. Das Gymnasium kann und will
innerhalb eines gegliederten Schulwesens nicht „eine Schulart für
alle“ sein. Bestrebungen in allen Bundesländern, den
Abiturientenanteil, auch unter bewusster wie unbewusster Absenkung
der Qualitätsstandards, immer weiter zu erhöhen, laufen dem Wesen
dieser Schulart qua Definitionem entgegen und bedrohen die
Existenz des Gymnasiums wie des gegliederten Schulwesens als
Ganzes. Das Ziel des Gymnasiums muss wieder stärker ins allgemeine
Bewusstsein zurückgebracht werden, eine Schulart für den besonders
leistungsfähigen und –willigen Teil der Schülerschaft zu sein, der
danach strebt, sich in einem inhaltlich und methodisch ebenso
anspruchsvollen wie anregenden schulischen Umfeld die allgemeine
Hochschulreife zu erarbeiten. Eine klare Leistungsorientierung
mit klaren Bewertungs- und Vorrückungskriterien sind
selbstverständliche Bestandteile des gymnasialen Unterrichts, zu
dessen gleichberechtigten Zielen Persönlichkeitsentwicklung und
Wertevermittlung gehören.
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Die
anspruchsvollen Ziele des Gymnasiums lassen sich auch in Zukunft
nur mit guten Arbeitsbedingungen für Schüler wie Lehrkräfte
erreichen. Eine gute, nicht nur ein absolutes Minimum bietende
Stundenausstattung und ein ebensolches Zeitbudget sind zur
Erfüllung des gymnasialen Bildungsauftrages genauso erforderlich
wie die dauerhafte Gewährleistung der erforderlichen räumlichen,
personellen und organisatorischen Rahmenbedingungen. Ein
anspruchsvolles Gymnasium ist als „Low-Budget-Schule“ daher nicht
möglich; die deutschlandweit geführte Diskussion um die Folgen der
Beschlüsse zur Schulzeitverkürzung machen deutlich, dass diese
auch tief in die gymnasiale Organisationsstruktur eingreifenden
Entscheidungen nicht ohne eine nachhaltige Erhöhung der
Investitionen adäquat zu verwirklichen sind!
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Aus der
im Gefolge von PISA durchgeführten COACTIV-Studie muss geschlossen
werden, dass die Gymnasiallehrerschaft infolge ihrer in dieser
Untersuchung bestätigten fachlich wie methodisch hervorragenden
Qualifikation einen großen Anteil am national wie international
hervorragenden Abschneiden ihrer Schülerinnen und Schüler bei den
PISA-Untersuchungen hatte. Dieses hohe Qualifikationsniveau darf
durch niveausenkende Änderungen in Lehramtsstudium und im
Referendariat nicht gefährdet werden. Andererseits muss es seitens
des Dienstherrn seine Ankerkennung in einem angemessenen
Lohnniveau und in guten Arbeitsbedingungen finden. Die in den
letzten Jahren allenthalben vorgenommenen Lohnkürzungen und
Arbeitszeiterhöhungen haben dem nicht Rechnung getragen; sie
stellen nicht nur ein demotivierendes Zeichen der Missachtung der
Leistungen der Lehrerschaft dar, die Arbeitsbelastung für
Lehrkräfte, die ihren Beruf ernst nehmen, hat inzwischen vielfach
jedes vernünftige Maß überschritten. Die Philologenverbände der
fünf Südländer erwarten, dass die den Bundesländern im Gefolge der
Föderalismusreform zugewachsenen Kompetenzen vom Dienstherrn zu
einer spürbaren Verbesserung der in den vergangenen Jahren rapide
verschlechterten Arbeits- und Rahmenbedingungen genutzt werden.
Forscher: Schlechte PISA-Leistungen kosten Regierungen bis zu 3
Prozent beim Wähler
Abschließend weisen die fünf Landesvorsitzenden
der Philologenverbände darauf hin, dass in einer Rückbesinnung auf
eine wieder klarere Leistungs- und Qualitätsorientierung am
Gymnasium wie an anderen Schularten, die über Lippenbekenntnisse
und Sonntagsreden hinausgeht, nicht nur die Schüler profitieren.
Auch für die Regierungen selbst zahlt sich eine deutlich das
Wissen und Können betonende Orientierung der Schulpolitik ganz
konkret in der Wählerzustimmung aus, wie nun von einem
Forscherteam der TU München um Prof. Dr. Robert von Weizsäcker
bestätigt wurde. In einer zum Jahresanfang veröffentlichten Studie
schreiben die Wissenschaftler: „So sank infolge des
unterdurchschnittlichen Abschneidens deutscher Schüler im
internationalen PISA-Vergleich die Zustimmung zur damals
amtierenden rot-grünen Bundesregierung um jeweils 2,5 bis 3
Prozentpunkte. Gleichzeitig sank in Bundesländern mit national
unterdurchschnittlichem PISA-Ergebnis auch der Anteil der Wähler,
die die jeweilige Landesregierung unterstützten, während er in
Bundesländern, die überdurchschnittlich gut abschnitten, (...)
stieg.“
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