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PRESSEMITTEILUNGEN

 
Pressemitteilung vom 09.07.2008
 

Bericht des Kultusministeriums im Landtag macht deutlich:

Ganztagsschulen trotz höheren finanziellen und pädagogischen Aufwands kein Allheilmittel für schulische und gesellschaftliche Probleme

Max Schmidt:

Ganztagsschule nur auf Nachfrage und nicht als „Zwangsbeglückung“ für alle

 

 „Die Ganztagsschule kann zusätzliche Chancen eröffnen. Aber sie ist kein Allheilmittel für sämtliche schulischen und gesellschaftlichen Probleme. Und sie ist kein Modell für alle Schüler.“ Dies ist nach Ansicht des Vorsitzenden des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt eine Erkenntnis aus dem heute durch das Kultus-ministerium im Landtag vorgestellten Erfahrungsbericht ‚Achtjähriges Gymnasium in Ganztagsform’. An diesem im Schuljahr 2002/03 gestarteten Schulversuch beteiligen sich derzeit acht staatliche und vier private Gymnasien.

Zu den positiven Effekten zählt der Bericht zwar einen geringeren häuslichen Lernaufwand und den engeren Kontakt der Schüler untereinander und mit den Lehrkräften. Die in der derzeitigen politischen Diskussion geäußerten Erwartungen an eine Verbesserung der Notendurchschnitte oder eine deutliche Senkung der Wiederholerquote hat sich aber nicht eingestellt, obwohl zusätzliche Lehrerstunden und eine sozialpädagogische Betreuung zur Verfügung gestellt und die Unterrichtstage rhythmisiert wurden. Als Kehrseite der intensiveren Klassengemeinschaft führt der Bericht die Zunahme von Konflikten auf – ein Aspekt, der in der derzeitigen politischen Diskussion völlig unberücksichtigt bleibe, so Schmidt. „Offensichtlich wird die öffentliche Debatte um die Ganztagsschule weitgehend aus der theoretischen Sicht von Erwachsenen geführt“, kommentierte Schmidt diese Ergebnisse. Darauf deutet auch die Beurteilung des Schulversuches durch die Betroffenen hin: Während 87 Prozent der Eltern angeben, sie würden wieder die Ganztagsform wählen, sagen dies so eindeutig nur 36 Prozent der beteiligten Schüler. Dass mangels Nachfrage der Ganztagszug an einem Standort wieder aufgegeben wurde, ist nach Ansicht des Philologenverbandes ein weiteres Indiz dafür, dass die Einrichtung von Ganztagsschulen oder –zügen nur streng nachfragebedingt und nicht als „Zwangsbeglückung“ erfolgen darf.

Als Resümee formuliert Vorsitzender Max Schmidt für seinen Verband aus dem heute vorgelegten Bericht: “Die Ganztagsschule ist kein Selbstläufer. Sie bedarf eines wohldurchdachten, auf die örtlichen Bedürfnisse und Gegebenheiten abgestimmten Konzepts. Sie stellt zusätzliche Ansprüche in schulorganisatorischer, pädagogischer, personeller und finanzieller Hinsicht. Tendenziell ist dieser hohe Aufwand an Grund- und Hauptschulen in Brennpunktvierteln eher notwendig und zu rechtfertigen als an Realschulen und Gymnasien. Gerade im Grund- und Hauptschulbereich können gut ausgestattete Ganztagsschulen dazu beitragen, sprachliche Defizite und soziale Benachteiligungen abzubauen und damit die Basis für eine erfolgreiche Schul- und Berufskarriere zu legen. Der Schulversuch zeigt aber auch, dass für die 2004 flächendeckend eingeführte Form des achtjährigen Gymnasiums mit einem deutlich ausgeweiteten Nachmittagspflichtunterricht der personelle und finanzielle Einsatz weiter erhöht werden und die Flexibilität für die Schulleitungen bei der Ausgestaltung insbesondere der Nachmittage weiter ausgedehnt werden müssen,“ schloss Schmidt.


Für den Inhalt verantwortlich: Peter Missy, Pressesprecher des bpv, E-Mail: Pressestelle des bpv  |  Adresse

 
 
   
   
   
   
   
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