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„Auch wenn wir Schlimmeres
verhindern konnten: Zum Jubeln ist uns nach den heutigen
Kabinettsbeschlüssen nicht zumute“, kommentierte der Vorsitzende
des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt den heutigen
Beschluss des Ministerrates über nochmalige Eingriffe in das
achtjährige Gymnasium. „Nüchtern muss konstatiert werden, dass die
Argumente von Philologenverband und Direktorenvereinigung gegen
weitere Einschnitte bei Stunden und Lehrplänen am Gymnasium nur
begrenzt auf offene Ohren gestoßen sind. Der politische und
mediale Druck nach nochmaligen Einschnitten war offensichtlich zu
groß“, bedauerte der bpv-Vorsitzende.
Gemetzel in den
Stundentafeln abgewendet
In einer großen gemeinsamen
Kraftanstrengung sei es den Vertretern von Philologen-verband und
Direktorenvereinigung immerhin gelungen, die massiv vorgetragenen
Forderungen nach deutlich weitgehenderen Kürzungen der
Unterrichtsstunden zu begrenzen: „Das Gemetzel, das die
Landes-Eltern-Vereinigung in den Stundentafeln anrichten wollte,
wird es nicht geben“, so Schmidt wörtlich. Als Lichtblick
bezeichnete es Schmidt, dass man der Politik die feste Zusage habe
abringen können, die Kürzungen nicht mit einer Reduzierung der
Lehrerstunden zu verbinden. „Das heißt auch: Die doppelte
Budgetzuweisung für die Intensivierungsstunden bleibt im
bisherigen Umfang erhalten“, sagte der Chef des
Philologenverbandes. Unumwunden gab Schmidt aber auch zu: „Der
Verlust der Fachstunde in der ersten Fremdsprache ist bitter. Das
ist die dicke Kröte, die wir bei den Verhandlungen zu schlucken
hatten.“
Kürzungspotenzial in den meisten Fächern bereits ausgeschöpft
Die derzeit laufende
Überprüfung der Lehrpläne wird nach Überzeugung des
Philologenverbandes zeigen, dass in den meisten Fächern das
mögliche Kürzungspotenzial bereits im Rahmen der ersten Kürzung
der G9-Lehrpläne ab 2004 ausgeschöpft worden sei. Für den
Philologenverband gehe es nach Schmidts Worten daher jetzt in
erster Linie darum, die Lehrplaninhalte auf ihre
Altersangemessenheit hin zu überprüfen und gegebenenfalls
Korrekturen vorzunehmen.
Warnung vor zu
rigiden Vorgaben zur Umsetzung der Änderungen vor Ort
Der Verbandsvorsitzende warnte
davor, den Schulen zu enge Vorgaben für die Umsetzung der
beschlossenen Änderungen zu machen: „Was organisatorisch sinnvoll
und machbar ist, müssen Schulleitungen und Lehrerschaft je nach
den örtlichen Gegebenheiten selbstständig entscheiden können. Hier
brauchen die Gymnasien weitestgehende Freiheit und keine zentral
genormten Vorschriften bis ins letzte Detail“, forderte Schmidt im
Hinblick auf die Belegung von Nachmittagen und die konkrete
Planung der Intensivierungsstunden. „Vorgaben, die an den
Möglichkeiten der einzelnen Schule vorbeigehen, sorgen nur für
neuen Ärger und tragen dazu bei, die öffentliche Diskussion um das
Gymnasium zu verlängern, anstatt sie zu beenden. Das ist aber das
Letzte, was die Schulen jetzt gebrauchen können. Lehrer und
Schüler sind die ständige Kritik an ihrer Schulart gründlich leid.
Wir wollen uns endlich wieder in Ruhe auf unsere Arbeit
konzentrieren können“, betonte Schmidt, der selbst am Grafinger
Gymnasium unterrichtet.
Weitere kräftige
Investitionen in ein Gesamtkonzept nötig
Um der Kritik fundiert zu
begegnen, bedürfe es weiterhin eines schlüssigen Gesamtkonzeptes
für das achtjährige Gymnasium mit verlässlichen und verbesserten
Rahmenbedingungen. „Unsere Botschaft, dass man am Gymnasium nicht
immer nur kürzen kann, scheint bei Staatsregierung und
CSU-Fraktion inzwischen angekommen zu sein. Auf die entsprechenden
Beschlüsse der vergangenen Woche zur Verkleinerung der Klassen,
zur Erhöhung der Zahl an Lehrkräften und – erstmals – zu eigenem
Aufsichts- und Betreuungspersonal, aber auch zur Optimierung des
Übertrittsverfahrens lässt sich jedenfalls aufbauen“, gibt sich
Schmidt im Hinblick auf die künftigen Verhandlungen seines
Verbandes mit der Staatsregierung optimistisch. Er appellierte an
die Politik, im Zuge ihre Kampfes gegen überfüllte Klassen auch
die 2009 beginnende Oberstufe in den Blick zu nehmen: „Das für
Schüler wie Lehrer anspruchsvolle neue Konzept erfordert die klare
Begrenzung der Klassengrenzen: 15 Schüler in den Seminarfächern,
20 in den verpflichtenden Abiturfächern und 25 in allen anderen
Fächern sind die Obergrenze dessen, was für Schüler und Lehrer
machbar und zumutbar ist.“ |