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„Ungläubiges Kopfschütteln“, so der Vorsitzende
des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt, habe bei vielen
Lehrern wie auch ihm ein heute veröffentlichtes Zeitungsinterview
mit dem deutschen PISA-Koordinator Prof. Dr. Manfred Prenzel
ausgelöst. Darin bestreitet Prenzel einen Zusammenhang zwischen
einer guten Fachstundenausstattung der Schulen und dem Lernerfolg
von Schülern. „Herr Prof. Prenzel widerspricht mit seinen Aussagen
nicht nur der vieltausendfachen täglichen Erfahrung von
Lehrkräften aller Schularten. Er stellt sich damit auch in
Opposition zu aktuellsten Forschungsergebnissen und zu eindeutigen
Aussagen von PISA-Forschern. Selbst der offizielle PISA-Bericht
2000 widerspricht ihm unzweideutig“, betont Schmidt.
Eine Anfang 2008 von
einem Wissenschaftler-Team der TU München um Prof. Dr. Robert K.
von Weizsäcker veröffentlichte Studie hat wieder bestätigt, dass
zwischen der Anzahl der Schulstunden und dem Abschneiden der
einzelnen Bundesländer bei PISA ein enger Zusammenhang besteht. Im
TUMagazin führen sie aus, dass eine Aufstockung des wöchentlichen
Unterrichtsvolumens um eine Zeitstunde zu einer Verbesserung
bayerischer PISA-Testergebnisse um zwei Plätze führen könnte.
Wörtlich heißt es: „Am Beispiel Bayerns betrachtet, hätte diese
Maßnahme zu einer Verbesserung um zwei Ränge im OECD-Ranking der
mathematischen Kompetenz und damit zu einem Platz Bayerns unter
den besten drei Nationen knapp hinter Finnland und Korea geführt.“
Wissend um diesen Zusammenhang hätten daher die Bundesländer
Bremen und Nordrhein-Westfalen „als strategische Reaktion auf den
PISA-Schock 2000“ ihre Lehrplanstunden in Mathematik um zehn bzw.
fünf Prozent erhöht.
Diese neuesten Forschungsergebnisse stimmen
überein mit Aussagen des Leiters des Deutschen Instituts für
Internationale Pädagogische Forschung Prof. Dr. Avenarius
(Frankfurt) und Prof. Dr. Helmut Fend (Zürich). Beide sehen
ebenfalls kausale Zusammenhänge zwischen dem Unterrichtsvolumen
und dem Lernerfolg von Schülern. Direkt mit der PISA-Studie
befasste Wissenschaftler wie Dr. Cordula Artelt weisen auf das
niedrige deutsche Unterrichtsvolumen in wichtigen Fächern hin.
Artelt schreibt: „Bei einem Vergleich mit den in PISA getesteten
Bereichen zeigt sich allerdings, dass die Unterrichtszeiten für
Deutsch und Mathematik deutlich unter dem internationalen Standard
liegen. (...) Diese Differenzen sind nicht unerheblich: Wollte man
sie in Schulstunden (à 45 Minuten) umrechnen und über neun oder
zehn Schuljahre addieren, käme man bei vier Wochenstunden pro Fach
auf ein Minus von mehr als einem Schuljahr im Sprachunterricht und
mehr als einem halben Jahr im Mathematikunterricht.“ Aus diesem
Grund mahnt der PISA-Bericht 2000 denn auch: „Betrachtet man
dieses Ergebnis im Zusammenhang mit den Leistungen der in
Deutschland getesteten Schülerinnen und Schüler, wird deutlich,
wie wichtig es ist, den vorgegeben zeitlichen Rahmen einzuhalten
und sinnvoll zu nutzen.“
Als selektiv und nicht
verallgemeinerbar bezeichnet der bpv-Vorsitzende Prof. Prenzels
als Beleg angeführten Verweis auf die Ergebnisse der TIMSS-Studie:
„Die Feststellung, dass bei TIMSS keine messbaren Fortschritte von
Klasse 12 zu Klasse 13 gemacht wurden, stimmt nur für das von
Prenzel genannte Fach Mathematik. Er lässt unerwähnt, dass dagegen
in Physik sehr wohl deutliche Zuwächse zu verzeichnen waren.“ Auch
im Fach Englisch hat eine weitere, 2005 veröffentlichte
Untersuchung des ersten PISA-Chefs Prof. Jürgen Baumert und des
Leiters des Instituts für Qualität im Bildungswesen Prof. Olaf
Köller einen großen Leistungszuwachs von der 12. zur 13.
Jahrgangsstufe konstatiert.
Schmidt abschließend: „Entgegen allem, was das
Interview glauben machen will, lassen Forschungsergebnisse und die
Erfahrung von Lehrkräften nur den Schluss zu: Stundenreduzierungen
sind nicht ad ultimo durch pädagogische oder didaktische
Umstellungen im Unterricht zu kompensieren.“ |